Hier finden Sie aktuelle Informationen zum Aktionstag zur Verwendung durch die Presse.



Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit e.V.
arbeit für alle e.V., Initiative im Bund der Deutschen Katholischen Jugend

Pressemitteilung

120 Abgeordnete im Praktikum
Jugend braucht Arbeit - bundesweiter Aktionstag


Düsseldorf, 25. April 2003

Die Einrichtungen der Jugendberufshilfe in katholischer Trägerschaft haben über 120 Abgeordnete des Deutschen Bundestages anlässlich des bundesweiten Aktionstages "Jugend braucht Arbeit - Wir arbeiten Sie ein! Politik im Praktikum bei der Jugendberufshilfe" für einen Besuch gewinnen können. Die Abgeordneten werden am 29. April 2003 gemeinsam mit Jugendlichen im Rahmen eines "Praktikums" deren Alltag und Situation kennen lernen. Der Aktionstag will Jugendliche, Politiker(innen) und Fachkräfte der Jugendberufshilfe ins Gespräch bringen und die Leistungsfähigkeit der Arbeit in den Projekten der Jugendberufshilfe in katholischer Trägerschaft verdeutlichen.

Der vom "arbeit für alle e.V." als Initiative im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V." initiierte Aktionstag will auf die schwierige Situation von benachteiligten Jugendlichen am Arbeitsmarkt hinweisen. Politiker(innen) sollen für den Erhalt und Ausbau der Hilfen im Übergang in Qualifizierung und Beschäftigung gewonnen werden. "Fast unbemerkt hat die Jugendarbeitslosigkeit in diesem Jahr einen Rekordstand seit der Deutschen Einheit erreicht. Dieser Negativrekord und die zu erwartende dramatische Verschlechterung der Situation am Ausbildungsstellenmarkt hat uns bewogen, den Aktionstag zu initiieren. Wir wollen damit die Politik für die Situation der benachteiligten Jugendlichen und ihre fehlende Perspektive auf zukünftige Teilhabe am Erwerbsarbeitsmarkt sensibilisieren.", so der Vorsitzende des "arbeit für alle e.V.", Karl Weber.

Die Arbeit der Einrichtungen der Jugendberufshilfe richtet sich vor allem an Jugendliche mit sozialen Benachteiligungen und  individuellen Qualifizierungshemmnissen. Die Einrichtungen der Jugendberufshilfe in katholischer Trägerschaft stehen diesen Jugendlichen in ihrer schwierigen Lage zur Seite. Sie unterstützen ihre berufliche und soziale Integration durch berufsorientierende, berufsvorbereitende, ausbildungs- und beschäftigungsbegleitende Hilfen. Ergänzende Angebote zur Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung gehören ebenfalls dazu.

Am 29. April werden im Rahmen des bundesweiten Aktionstages an sehr vielen Orten der Republik Abgeordnete "ihr Praktikum" in der Jugendberufshilfe absolvieren. Hierzu Pater Franz-Ulrich Otto SDB, Vorsitzender der BAG KJS: "Ich bin erfreut, dass so viele Abgeordnete des Deutschen Bundestages sich auf unsere Idee einlassen. Die Vielfalt der Praktikumstätigkeiten, die sie hierbei ausüben werden, spiegelt die Vielfalt der Einrichtungen der Jugendberufshilfe in katholischer Trägerschaft wider. Dies wird sicherlich ein weiterer Schub sein, die Interessen der benachteiligten Jugendlichen in das Blickfeld der Politik zu rücken."

Unterstützt werden die Initiatoren in ihrem Anliegen durch den Jugendbischof Dr. Franz-Josef Bode. Er bestärkt in seinem Grußwort die Einrichtungen darin, "dass der Maßstab allen gesellschaftspolitischen Handelns der Mensch, gerade auch der junge Mensch bleiben muss. In diesem Sinne wünsche ich den Veranstaltern, mehr noch den politisch Verantwortlichen, die sich darauf einlassen, besonders aber den jungen Menschen, dass der Aktionstag ein wirklicher Tag der Begegnung, der Offenheit und der gegenseitigen Wertschätzung wird. Dann wird es ein Tag der Hoffnung sein, aus dem gute Früchte für die Zukunft  unseres Gemeinwesens erwachsen können."

Weitere Infos zum Aktionstag, zu den beteiligten Einrichtungen und beteiligten Politiker/innen sind zu finden im Aktionskalender auf der Homepage des Aktionstages www.jugendbrauchtarbeit.de.

Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V." und der "arbeit für alle e.V." als Initiative im BDKJ vertreten 512 Einrichtungen, in denen ca. 55.000 sozial oder individuell benachteiligte junge Menschen von 3.100 Mitarbeiter(innen) in ihrer schulischen, beruflichen, sozialen und persönlichen Entwicklung ganzheitlich gefördert werden.

Redaktion: Ludger Urbic, arbeit für alle e.V. (verantwortlich)
Tel.:0211 / 4693-164, urbic@bdkj.de.
Andreas Gaida, BAG KJS e.V. Tel.: 0211 / 9448 516,
gaida@jugendsozialarbeit.de

Zur freien Auswertung durch die Redaktionen von Presse, Rundfunk und Fernsehen.

Download der Presemitteilung als Word-Dokumen

 

Grußwort zum Aktionstag "Jugend braucht Arbeit" am 29. April 2003
von Jugendbischof Dr. Franz-Josef Bode:

Sehr geehrte Damen und Herren!
„Die Situation am Arbeitsmarkt ist angespannt... bleibt angespannt... verschärft sich." Solche Nachrichten, abertausende Male gehört und gelesen, können dennoch niemanden gleichgültig lassen. Und viele, sehr viele in Deutschland bekommen täglich am eigenen Leibe zu spüren, was es heißt, arbeitslos zu sein. Besonders hart trifft es die Jugendlichen, und unter ihnen noch einmal verschärft die vielen, deren Chancen durch soziale und individuelle Beeinträchtigungen vermindert sind. Ohne intensive persönliche und qualifizierte Förderung und soziale Integration werden diese Benachteiligten zu den ersten und aufs Ganze gesehen schwerwiegendsten Opfern der Krise am Arbeitsmarkt. Das um so eher und mehr, wenn die finanziellen Mittel für Fördermaßnahmen von den politischen und gesellschaftlichen Stellen reduziert werden oder ganz wegfallen.

Die Jugendberufshilfe versteht sich als Anwalt der benachteiligten Jugendlichen. Sie setzt sich in Politik und Gesellschaft dafür ein, dass diese jungen Leute selbstbewusst am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und einen Zugang zu Erwerbsarbeit finden. Eine Vielzahl von Projekten und Initiativen in kirchlicher Trägerschaft ist daran seit Jahren durchaus erfolgreich beteiligt.

Vor dem Hintergrund angekündigter Einsparungen insbesondere seitens der Bundesanstalt für Arbeit, die diese wichtige Hilfestellung für die betroffenen jungen Menschen schwer belasten würden, haben die Initiative „arbeit für alle" im Bund der Deutschen Katholischen Jugend und die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Jugendberufshilfe in katholischer Trägerschaft den Aktionstag „Jugend braucht Arbeit - Wir arbeiten Sie ein" für den 29. April ausgerufen. An diesem Tag sollen Politikerinnen und Politiker des Deutschen Bundestages mit den Jugendlichen in den Einrichtungen der Jugendberufshilfe in persönlichen Kontakt kommen, mit ihnen zusammen ein „Praktikum" absolvieren und so Gelegenheit haben, deren Situation, Fragen und Probleme hautnah zu erleben. Dabei geht es nicht darum, etwa Rechtfertigung speziell für kirchliche Einrichtungen zu betreiben. Es soll vielmehr deutlich werden, dass der Maßstab allen gesellschaftspolitischen Handelns der Mensch, gerade auch der junge Mensch bleiben muss.

In diesem Sinn wünsche ich den Veranstaltern, mehr noch den politisch Verantwortlichen, die sich darauf einlassen, besonders aber den jungen Menschen, dass der Aktionstag ein wirklicher Tag der Begegnung, der Offenheit und der gegenseitigen Wertschätzung wird. Dann wird er ein Tag der Hoffnung sein, aus dem gute Früchte für die Zukunft unseres Gemeinwesens erwachsen können.
Mit besten Grüßen
Bischof Dr. Franz-Josef Bode
Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz
Osnabrück, im April 2003
Der Bischof von Osnabrück
Große Domsfreiheit 8
49074 Osnabrück

 

Zahlen und Fakten zur Situation junger Menschen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt

Auszug aus "Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im März 2003", BA Presse-Information Nr. 24, Nürnberg, 3.4.2003:

... Im Zuge der konjunkturellen Abschwächung hat sich die Jugendarbeitslosigkeit deutlich erhöht. Ende März waren 561.800 Arbeitslose jünger als 25 Jahre, 56.700 mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg wäre noch höher gewesen, wenn er nicht durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente in Grenzen gehalten worden wäre. Ende März befanden sich 558.000 junge Menschen in Maßnahmen aktiver Arbeitsförderung. Gegenüber dem Vorjahr waren das 23.000 mehr. ...
Der Ausbildungsstellenmarkt hat sich erheblich verschlechtert. Zur Halbzeit des Berufsberatungsjahres 2002/2003 waren bei den Arbeitsämtern deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als vor einem Jahr, aber etwa genauso viele Bewerber. Die Zahl der bis dahin gemeldeten Stellen verringerte sich um 58.500 auf 393.100, die der Bewerber um 4.400 auf 523.400. Ende März gab es noch 190.200 unbesetzte Plätze und 331.000 nicht vermittelte Bewerber. Der Ausbildungsstellenmarkt hat sich in Westdeutschland stärker verschlechtert als in Ostdeutschland; dort ist das Ungleichgewicht allerdings weiterhin erheblich größer. ...
Das Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit hatte nach wie vor abnehmendes Gewicht. So befanden sich im Berichtsmonat 73.400 junge Menschen im Programm, das waren 21 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Im ersten Quartal haben die Arbeitsämter mit 23.200 deutlich weniger Jugendliche in die verschiedenen Maßnahmen gebracht (-13 Prozent). ... 
 
 
Interessante Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit:

+ Eckwerte der Arbeitsmarktstatistik
Grundzahlen nach Arbeitsamtsbezirken und Landesarbeitsämter,
u.a.: unbesetzte Berufsausbildungsstellen - März 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html [ detaillierte Übersichten ] [ Eckwerte der Arbeitsmarktstatistik - Anzeigen ]
 
+ Arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren
nach Landesarbeitsamt, Bundesland
März 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Jüngere unter 25 Jahren ] [ Arbeitslose - nach Ländern - Jugendliche unter 25 Jahren - Anzeigen ]
 
+ Zeitreihe Arbeitslose Jugendliche ab 1991
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Jüngere unter 25 Jahren ] [ Zeitreihe Arbeitslose Jugendliche ab 1991 - Anzeigen ] 
 
+ Bei den Arbeitsämtern gemeldete Ratsuchende, Berufsausbildungsstellen und Ausbildungssuchende sowie Bestand an unbesetzten Berufsausbildungsstellen und noch nicht vermittelten Bewerbern nach Landesarbeitsamtsbezirken/Ländern und Arbeitsämtern
Berichtszeitraum: Oktober 2002 bis März 2003 bzw. Ende März 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Ausbildungsmarkt ] [ Ratsuchende, Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen ..... - Anzeigen ]
 
+ Bestand an unbesetzten Berufsausbildungsstellen und noch nicht vermittelten Bewerbern für Berufsausbildungsstellen am Ende des Berichtsmonats
Berichtsjahre: 1998/99 bis 2002/03
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Ausbildungsmarkt ] [Bestand an unbesetzten Berufsausbildungsstellen ..... - Anzeigen ]
 
+ Bestand an Teilnehmern in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen nach Art der Maßnahme, sowie in  Förderungsmaßnahmen der Berufsausbildung Benachteiligter nach Art der Förderung
Berichtsjahre: 1998 bis 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Förderung der Berufsausbildung ] [ Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen/Förderung der Berufsausbildung Benachteiligter, Bestand - Anzeigen ]
 
+ Eintritte, Austritte und Bestand an Teilnehmern in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen nach Art der Maßnahme, sowie in  Förderungsmaßnahmen der Berufsausbildung Benachteiligter nach Art der Förderung - Vorjahresvergleich -
Berichtsjahr: 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Förderung der Berufsausbildung ] [ Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen .....  -Vorjahresvergleich - Anzeigen ]
 
+ Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit (Monatsheft)
März 2003
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/index.html  [ Jüngere unter 25 Jahren ] [Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit (Monatsheft) - Anzeigen ] 
 
Quelle: www.arbeitsamt.de (zusammengestellt von Andreas Gaida, BAG KJS)

 

Stellungnahme zur Jugendarbeitslosigkeit und zur Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission

Der "arbeit für alle e.V." als Initiative des BDKJ und der Projekte der Jugendberufshilfe im Umfeld katholischer Jugendverbandsarbeit hat sich in seiner Mitgliederversammlung mit den Vorschlägen der Hartz-Kommission und deren Umsetzung beschäftigt. Der Blick gilt hierbei vor allen Dingen den Interessen benachteiligter junger Menschen. Die Benachteiligung bezieht sich auf individuelle Beeinträchtigungen und Lernstörungen genauso wie auf Benachteiligungen, die sich aus dem sozialen Umfeld, der familiären Situation oder negativen Sozialisationsfaktoren ergeben. Für diese jungen Menschen ist die Perspektive auf eine Beteiligung am Erwerbsarbeitsmarkt eine entscheidende Zukunftsfrage. Eine Anpassung der Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsförderung muss sich vor allen Dingen daran messen lassen, inwieweit es gelingt, diese Perspektiven gerade benachteiligter junger Menschen zu eröffnen und sie dauerhaft in das System der Erwerbsarbeit zu integrieren.

Die Vorschläge der Hartz-Kommission und deren gesetzliche Umsetzung zielen insbesondere auf eine effektive und effiziente Arbeit der Bundesanstalt für Arbeit sowie auf eine verbesserte und passgenaue Vermittlung von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt. Dies ist grundsätzlich außerordentlich zu begrüßen, da ein Abbau der Arbeitslosigkeit bzw. eine Verkürzung der individuellen Arbeitslosigkeit zur Entspannung der Lage auf dem Arbeitsmarkt einen Beitrag leisten kann. Allerdings wird die Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission nur in geringem Maße zur Eröffnung neuer Beschäftigungsfelder und zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze beitragen, weil diese einseitig auf Vermittlung zielen. Auch die neugestalteten sogenannten "Minijobs" werden keinen existenzsichernden dauerhaften Beschäftigungssektor eröffnen, der gerade auch Menschen mit Einfachqualifikationen eine echte Beteiligung und Chance bietet.

In der Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission zeigt sich immer mehr, dass die Verbesserung der Vermittlungstätigkeit der Bundesanstalt vor allen Dingen den gut qualifizierten Arbeitslosen mit geringen Vermittlungshemmnissen zugute kommen wird. Die Politik hat die Weichen zu deren Vermittlung gestellt. Geringer qualifizierte Arbeitslose sowie auch ausgebildete benachteiligte junge Erwachsene können aufgrund der Veränderungen kaum mit neuen Beschäftigungschancen rechnen. Als Beispiel hierfür mögen die Personal-Service-Agenturen dienen, das sogenannte Herzstück der Vorschläge der Hartz-Kommission. Circa 1 % der Arbeitslosen soll nach Vorstellung der Ausführungsbestimmungen der Bundesanstalt in den Personal-Service-Agenturen beschäftigt werden. Hierbei sollen vor allen Dingen beschäftigungsfähige und verleihfähige Arbeitslose, die im Leistungsbezug stehen, berücksichtigt werden. Das verbale Bekenntnis zur Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen und Schwervermittelbaren in Personal-Service-Agenturen wirkt an diesen Anforderungen gemessen eher unglaubwürdig. Benachteiligte Jugendliche, deren Ausbildung mit entsprechender Unterstützung in betrieblicher oder außerbetrieblicher Ausbildung gelungen ist, werden hierdurch keine neuen Beschäftigungschancen erreichen. Dies gilt in noch höherem Maße für junge Menschen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung. Da andere bewährte Instrumente der Arbeitsförderung und vor allen Dingen der Beschäftigungsförderung zugunsten der Personal-Service-Agenturen zurückgefahren werden, werden somit die Beschäftigungschancen gerade benachteiligter junger Menschen sinken.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, hat für alle arbeitslosen Jugendlichen eine verpflichtende Beschäftigung oder Qualifizierung gefordert. Er übersieht hierbei, dass unter seiner Verantwortung die Angebote für die Beschäftigung und Qualifizierung junger Menschen unter Druck geraten wie selten zuvor. Die Bundesanstalt für Arbeit streicht nicht nur die Beschäftigungsangebote in großem Maße, auch die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher und die Begleitung der betrieblichen Ausbildung durch ausbildungsbegleitende Hilfen werden zurückgefahren und in Frage gestellt. Die Anspruchsleistungen aus dem SGB III zur Berufsvorbereitung werden durch Mittelbewirtschaftung so stark eingeschränkt, dass in vielen Arbeitsamtsbereichen ab dem Herbst keine Maßnahmen mehr gestartet werden können. Die Folge wird sein, dass diese Brücke in Qualifizierung und Beschäftigung für Benachteiligte nicht mehr existieren wird und sie den Weg in die Erwerbsarbeit nicht mehr finden können. Die Mindestanforderungen des europäischen Beschäftigungspaktes zur Vermeidung der Langzeitarbeitslosigkeit Jugendlicher sind so nicht mehr zu erfüllen. Hier entsteht, von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, eine Krise, bei der die Chancen der Jugendlichen einer rücksichtslosen Sparpolitik geopfert werden. Die Erfolgsbilanz der Bundesanstalt und des zuständigen Ministers kann sich nicht nur daran messen lassen, ob es gelingt ohne Bundeszuschuss einen ausgeglichenen Haushalt der Bundesanstalt zu realisieren. Wichtigeres Erfolgskriterium muss die Überwindung der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit sein.

Die Beschäftigung junger Menschen mit und ohne formale Qualifikation muss prioritäres Anliegen der Arbeitsförderung sein. Erworbene Qualifikationen verlieren ihren Wert durch längere Phasen der Arbeitslosigkeit. Die Beschäftigungsfähigkeit gerader junger Menschen verliert sich, wenn es ihnen nicht ermöglicht wird, im System der Beschäftigung entsprechende berufliche Erfahrungen zu sammeln. Hierdurch wird eine mittel- oder langfristige Perspektive auf Teilhabe am Erwerbsarbeitsmarkt verschlossen. Auch wenn die demographischen Vorhersagen aufzeigen, dass in Zukunft ein Arbeitskräfte- und Fachkräftebedarf existieren wird, wird es schwierig werden, die heutigen "jungen Verlierer am Arbeitsmarkt" später in diesen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Der "arbeit für alle e.V." fordert daher ein Umsteuern in der Arbeitsmarktpolitik. Es ist notwendig, gerade für junge Menschen, deren Integration in den ersten Arbeitsmarkt nicht gelingt, verlässliche Arbeitsplätze im Übergangs- sowie im dauerhaften geförderten Arbeitsmarkt anzubieten. Dies bedeutet für diese Gruppe, Angebote vorzuhalten, die dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten beinhalten. Außerdem muss die Förderung und Unterstützung der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher in vollem Umfang erhalten bleiben. Die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesanstalt für Arbeit müssen als bewährte und erfolgreiche Elemente der Arbeitsmarktpolitik erhalten und ausgebaut werden. Das von der Koalitionsvereinbarung in Aussicht gestellte Programm "JUMP PLUS" sollte dazu genutzt werden, zusätzlich neue Wege der Qualifizierung und Beschäftigung Jugendlicher zu entwickeln und zu erproben. Die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Sozialstaates wird auch davon abhängen, inwieweit es gelingt, die Chancen auf Beteiligung am Erwerbsarbeitsmarkt für alle gerecht zu gestalten.

arbeit für alle e.V.

Download der Stellungnahme als Word-Dokument



Appell der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) an die Bundesregierung sowie alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung: 

Lassen Sie nicht zu, dass die benachteiligten Jugendlichen die Verlierer am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt werden! 

Eigentlich sollte sich die Lage junger Menschen, die Probleme beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf haben, deutlich verbessert haben: 

Im Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit wurde eine "Verstärkung der Initiativen zur Verbesserung der Berufsausbildungschancen für Jugendliche mit schlechteren Startchancen" vereinbart. Das "Job-AQTIV"-Gesetz und das "Jugend-AQTIV"-Konzept der Bundesanstalt für Arbeit sollten die Situation junger Menschen ohne Ausbildungsplatz oder Arbeitsstelle deutlich entspannen. Das "Hartz-Konzept" wollte in seinem Modul 4 "allen Jugendlichen ein aktivierendes Angebot" zu Ausbildung und Beschäftigung unterbreiten. Im Koalitionsvertrag wurde versprochen, dass "kein junger Mensch nach der Schule in die Arbeitslosigkeit entlassen werden darf" und dass "zusätzliche Mittel für die Schaffung von 100.000 Arbeitsplätzen für junge Menschen bereitgestellt werden (JUMP-Plus)". 

Die Realität sieht anders aus: 

Im Februar 2003 waren 581.000 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Das sind 56.500 oder 10,8% mehr als im Vorjahresmonat. Damit stieg die Arbeitslosenquote der Jugendlichen um 1,2 Prozentpunkte auf 11,2% im Februar 2003. 

Im Ausbildungsjahr 2001/2002 ist die Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber/innen gegenüber dem Vorjahr um 14,3% auf 23.400 Ende September 2002 gestiegen und liegt erstmals seit 1998/99 über dem Bestand an unbesetzten Ausbildungsstellen, der um 26,6% auf 18.000 gesunken ist. Auch mit Nachvermittlungsaktivitäten konnten bis Ende letzten Jahres 12.400 der betroffenen Jugendlichen keine Ausbildungsstelle finden. 

In dieser Situation drohen durch Kürzungs- und Einsparpläne sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte junge Menschen vollends ins Abseits zu geraten. 

Betroffen von Streichungen sind insbesondere die Angebote, die aus dem sogenannten "Eingliederungstitel" der Bundesanstalt für Arbeit finanziert werden, der zudem durch zusätzliche Aufgaben (PSA, SAM etc.) belastet wird. Ein großer Teil der Projekte und Maßnahmen für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf, insbesondere ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen (BaE) und Arbeiten-und-Lernen-Maßnahmen, werden aus diesem Eingliederungstitel finanziert. Diese Angebote leisten nachweislich einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Förderung und Integration benachteiligter Jugendlicher. 

Aber auch Anspruchsleistungen wie die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) und Reha-Ausbildungen sind von Kürzungen betroffen. Viele Arbeitsämter haben angekündigt, dass spätestens ab Herbst diesen Jahres dafür kein Geld mehr zur Verfügung stehen wird. 

Nach bisher vorliegenden Informationen werden alleine bei katholischen Trägern der Jugendberufshilfe nach der Sommerpause 950 Plätze in berufsvorbereitenden sowie ausbildungs- und beschäftigungsfördernden Maßnahmen entfallen. Weitere Einbrüche sind zum 1.1.2004 zu erwarten, wenn auch die Maßnahmen des "Sofortprogramms zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit" aus dem Eingliederungstitel finanziert werden müssen. 

Was geschieht mit den Jugendlichen, für die dann keine Plätze mehr zur Verfügung stehen werden? 

Diese Politik darf nicht fortgesetzt werden! Sozial und individuell benachteiligten jungen Menschen droht sonst die dauerhafte Ausgrenzung aus dem Arbeitsleben und damit die gesellschaftliche Ausgrenzung. Alle Jugendlichen brauchen für ihre Zukunftsfähigkeit und für die Zukunft der Gesellschaft eine Chance auf Ausbildung und Beruf. 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit appelliert daher im Namen der betroffenen jungen Menschen und der Einrichtungen der Jugendberufshilfe an die Bundesregierung sowie alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung:

  • Sichern Sie die Förderung von benachteiligten Jugendlichen als einen Schwerpunkt der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik! 

  • Setzen Sie die versprochenen Verbesserungen der Situation der jungen Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt (z.B. "JUMP Plus") um! 

  • Sorgen Sie dafür, dass auch benachteiligte und beeinträchtigte junge Menschen ein ausreichendes Angebot an geeigneten betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen vorfinden! 

  • Stoppen Sie die bundesweiten Kürzungen und Streichungen im Bereich der Berufsvorbereitung, der Benachteiligtenförderung und der Beschäftigungsförderung für benachteiligte Jugendliche! 

  • Opfern Sie nicht wirksame zielgruppenspezifische Angebote und Strukturen, die später mühsam und zu einem hohen Preis wieder aufgebaut werden müssen! 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) vertritt 512 Einrichtungen, in denen ca. 55.000 sozial oder individuell benachteiligte junge Menschen von 3.100 Mitarbeiter/innen in ihrer schulischen, beruflichen, sozialen und persönlichen Entwicklung ganzheitlich gefördert werden.

Düsseldorf, den 07. März 2003 

 

Download des "Jugend braucht Arbeit"-Logo im TIFF-Format - Auflösung 300 DPI (ca. 1050 Kb)

Download des "Jugend braucht Arbeit"-Logo im JPEG-Format - Auflösung 72 DPI (ca. 40 Kb)

 

Download des Flyers zum Aktionstag "Jugend braucht Arbeit" als PDF-Datei (554 Kb)

Download des Flyers "Aktionsleitfaden" als PDF-Datei (181 Kb)

Bitte beachten Sie: Um die Flyer zum Aktionstag öffnen zu können, benötigen Sie den 'Adobe Acrobat Reader 5'!

Er steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung.